Was ist Astrofotografie?

Eine Bildersuche mit dem Stichwort Astrofotografie zeigt uns eine Vielzahl von unterschiedlichen Fotografien. Die Milchstraße über Gebirgszügen, majestätische Spiralgalaxien, rot glühende Nebel, der Mond oder die Planeten unseres Sonnensystems. Astrofotografie beschäftigt sich also mit dem Fotografieren des Nachthimmels.

Die Möglichkeiten innerhalb der Astrofotografie sind jedoch so unterschiedlich wie die Anforderungen an das Equipment. Bevor ich aber die unterschiedlichen Felder der Astrofotografie erkläre, eine Warnung vorweg:

Astrofotografie hat eine sehr steile Lernkurve und braucht eine hohe Frustrationstoleranz! Egal wie sehr ihr euch vorbereitet, ihr werdet immer wieder scheitern. Das ist aber Teil des Hobbys und mit jeder Nacht lernt ihr etwas dazu, was die Erfolge dann umso schöner werden lässt.

Die unterschiedlichen Arten von Astrofotografie

Einige Felder der Astrofotografie sind nur mit speziellem Equipment möglich und solche Aufbauten können schnell in 4-stellige Eurobeträge gehen. Andere sind mit dem Fotoequipment erreichbar, welches wir auch am Tag nutzen. Die folgende Liste ist (ungefähr) nach Komplexität sortiert.

Astro-Landschaftsfotografie

Landschaftsfotografie mit dem Sternenhimmel oder der Milchstraße. Ist mit Kamera und Stativ möglich. Lichtstarke Objektive helfen, um mehr Details im Nachthimmel zu sehen.

Mondfotografie

Bilder des Mondes und seiner verschiedenen Phasen. Ist mit Kamera und Stativ möglich. Ein Teleobjektiv mit mindestens 300 mm Brennweite ist nötig, um einen sinnvollen Bildaußschnitt mit dem Mond zu bekommen. Längere Brennweiten sind auf jeden Fall hilfreich. Viele Bridgekameras bieten einen starken Zoom und eignen sich oft gut für die Mondfotografie. Teleskope mit moderaten Brennweiten (bis 750 mm) zeigen den Mond auch formatfüllend, benötigen dann aber eine astronomische Montierung.

Deep-Sky-Fotografie (Weitfeld)

Fotografie von großen Nebelgebieten, der Andromeda-Galaxy und Ausschnitten der Milchstraße. Diese sind schon mit einer normalen Kamera und leichtem Teleobjektiv möglich. Kleine Teleskope mit moderater Brennweite (z.B. 300-400 mm) helfen, um den Bildausschnitt zu füllen. Eine astronomische Nachführung (Star Tracker) wird für die langen Belichtungszeiten benötigt. Astromodifizierte Kameras sammeln wesentlich mehr Signal von Emissionsnebeln, was die Belichtungszeiten verkürzt. Filter können gegen Lichtverschmutzung helfen und den Kontrast der Bilder erhöhen.

Deep-Sky-Fotografie (kleine Nebel, Galaxien, Sternenhaufen)

Hier geht es jetzt ans Eingemachte. Die Objekte sind teilweise sehr klein und die Anforderungen an deine Ausrüstung steigen steil an. Du brauchst Teleskope mit langen Brennweiten (ca. 750 – 2000 mm) und eine geführte, equatoriale Montierung. Damit die Montierung sicher geführt wird, brauchst du einen Autoguider (Kamera + Guidescope). Eine spezielle Astrokamera ist ebenfalls nützlich, genauso wie Filter für verschiedene Wellenlängen. Gesteuert wird so ein Setup über ein Laptop mit spezieller Software oder einen kleine Astrocomputer (wie z.B. ein Astroberry).

Planetenfotografie

Für die Fotografie der Planeten in unserem Sonnensystem brauchst du ein ähnliches Setup wie für die Deep-Sky-Fotografie mit langen Brennweiten. Allerdings wird als Kamera häufig eine Guide-Kamera benutzt, da diese sehr hohe Bildraten liefern (z.B. 120 Bilder/s).

Dies ist nur ein Auszug und eine grobe Einordnung der Möglichkeiten bei der Astrofotografie. Die Übergänge und Equipmentanforderungen sind oft fließend. Hinzu kommt noch Zubehör wie z.B. Objektivwärmer und eine externe Stromversorgung oder Filter.

Zur Hardware kommt noch Software

Ein weiterer großer Punkt in der Astrofotografie ist die Bildbearbeitung. Mit den bekannten Programmen wie Photoshop kommen wir nicht weit. In der Astrofotografie werden oft viele Bilder gestacked und zu einem Bild verrechnet, um die Belichtungszeit zu erhöhen und das Rauschen zu reduzieren. Das erledigen Programm wie Deep Sky Stacker. Zusätzlich gibt es noch Bildbearbeitungsprogramme, die speziell auf Astrofotografie ausgelegt sind. Siril ist frei verfügbar während PixInsight kostenpflichtig ist.

Ihr seht also, Astrofotografie ist ein sehr komplexes Thema. Wenn ihr den Blog jetzt noch nicht weggeklickt habt, scheint ihr tatsächlich fest entschlossen zu sein, euch damit ausseinander zu setzen. Dann solltet ihr den Wetterbericht im Auge behalten, denn im nächsten Beitrag werden wir dann die ersten Bilder unter dem Nachthimmel machen.

Bis dahin wünsche ich euch clear skies!

Mondfotografie, der Nordamerika-Nebel und die Sadr-Region sowie die Milchstraße über der Ruhrtalsperre. Alles Teil der Astrofotografie.

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