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  • Das Bresser NANO NT-114/500 – Ein gutes Einsteigerteleskop?

    Das Bresser NANO NT-114/500 – Ein gutes Einsteigerteleskop?

    Neulich bin ich auf der Homepage von Bresser über ein Teleskop gestolpert. Das NANO NT-114/500, ein Spiegelteleskop mit einer Öffnung von 114 mm und einem Öffnungsverhältnis von F/4.4. Worüber ich aber gestolpert bin, war der Preis. 159 € (im Angebot) inklusive azimutaler Montierung und Stativ!

    Dem Aussehen und der Zubehörliste nach hört sich das nach einem guten Angebot für Anfänger an. Also habe ich spontan zugegriffen und das kleine Bresser gekauft. Seid gespannt, wie sich das Teleskop unter den Sternen schlägt!

    Was ist in der Kiste?

    Das Teleskop kam in mehreren Kartons, die zusätzlich alle in einem großen Karton verpackt waren. Nach dem Auspacken zeigte sich direkt ein erster positiver Eindruck: Das Teleskop kommt mit wenig Zubehör.

    Billige Einsteigerteleskope versuchen oft mit viel nutzlosem Zubehör zu werben, z. B. schlechte Okulare mit zu hoher Vergrößerung, Barlowlinsen oder Umkehrlinsen.

    Bei dem Bresser NANO ist folgendes Zubehör dabei:

    • Bresser 114 mm F/4.4 Newton Teleskop
    • Bresser NANO AZ azimutale Montierung inkl. Edelstahlstativ und Ablage
    • 1,25″ 26 mm Plössl-Okular
    • Rohrschellen + Vixen-Style Prismenschiene
    • Rotpunksucher
    • Sonnenfilter
    • Smartphone-Adapter
    • T2 Kamera-Adapter-Ring
    • drehbare Himmelskarte

    Zwar gibt es auch hier ein paar Zubehörteile, für die wohl eher die Marketingabteilung verantwortlich ist (Smartphone- und Kamera-Adapter), allerdings zeigt sich Bresser bei der Ausstattung des Teleskops angenehm zurückhaltend. Vor allem freut mich, dass keine billigen Barlowlinsen oder 0.965″ Okulare mitgeliefert werden.

    Die Ausstattung des Bresser NANO NT-114/500.
    Das Bresser NANO NT-114/500 mit Montierung und Zubehör.

    Die Fertigungsqualität des NANO NT-114/500

    Ok, für 159 € dürft ihr kein Takahashi erwarten. Alles, was aus Plastik sein kann, ist leider auch aus Plastik: die Stativablage, die Rohrschellen und auch der Okularauszug. Diese Teile machen keinen besonders hochwertigen Eindruck. Was schade ist, denn auf der Produktseite wird ausdrücklich mit einem stabilen Okularauszug geworben. Sogar der Sucherschuh ist aus Plastik und auch die Prismenschiene fühlt sich sehr leicht an. Wie sich diese Teile im Langzeittest schlagen, wird sich dann noch herausstellen. Meine Befürchtung ist aber, dass früher oder später etwas kaputtgehen wird.

    Der Rest des Teleskops ist in Ordnung, der Rotpunktsucher ist zwar auch etwas fummelig, ließ sich aber gut ausrichten und verrichtet seitdem ordnungsgemäß seinen Dienst. Gut ist, dass sowohl der Haupt- als auch der Fangspiegel justierbar sind. Aber Achtung: Der Hauptspiegel hat keine Mittenmarkierung und durch den Okularauszug sieht man nicht den kompletten Spiegel. Damit ich das Teleskop mit einem Laser justieren kann, habe ich auf dem Hauptspiegel eine Mittenmarkierung angebracht.

    Die Bresser NANO AZ azimutale Montierung

    Das Teleskop sitzt auf der azimutalen Montierung NANO AZ. Diese ist bei Bresser zurzeit für 159 € gelistet. Man kauft also eine Montierung und bekommt noch ein Teleskop obendrauf.

    Die Montierung ist etwas wackelig und sackt manchmal leicht nach, hält die Position jedoch in der Regel. Mithilfe der Rohrschellen habe ich das Teleskop besser ausbalanciert. Manchmal ist die Bewegung der Montierung etwas schwergängig. Leider gibt es keine Feintriebe an der Montierung, sondern nur einen einfachen Griff. Mit dem 26 mm Plössl ist die Vergrößerung jedoch moderat genug, dass sich Objekte noch gut zentrieren lassen. Unterm Strich lässt sich das Teleskop mit der Montierung jedoch gut bewegen.

    Unter den Sternen

    Bisher hatte ich mit dem Teleskop viel Spaß! Das mitgelieferte 26 mm Okular erzeugt eine ca. 19-fache Vergrößerung. Der Mond erscheint hell mit vielen Kratern und Jupiter zeigt sich als helle Kugel mit den Galileischen Monden. Für Saturn reicht die Vergrößerung nicht ganz, der Planet zeigt sich als heller Punkt ohne Ringe. Ich konnte mir den Orion-Nebel, die Andromeda-Galaxie und die Plejaden anschauen, ebenso den Doppelhaufen in Perseus. Ich bin gespannt, was sich in den nächsten Wochen noch beobachten lässt und wie sich das Teleskop verhält, wenn ich die Vergrößerung etwas hochschraube.

    Fazit

    Es fühlt sich fast unfair an, über ein so günstiges Angebot zu meckern. Bei dem Preis dürft ihr keine top Fertigungsqualität erwarten. Trotzdem schlägt sich das kleine Teleskop wirklich gut und es macht viel Spaß, damit zu beobachten. Einsteiger in das Hobby können damit viel entdecken und vor allem viel lernen. Schön ist auch, dass sich das Teleskop durch die kleine Bauweise und einfache Bedienung für Kinder eignet.

    Wenn ihr euch für einen Kauf entscheidet, solltet ihr es auf jeden Fall bei einem Teleskop-Händler kaufen. Diese prüfen und justieren die Optik meistens noch vor dem Versand. Mein Exemplar kam direkt von Bresser und der Fangspiegel stand komplett schief.

    Noch ein Nachtrag zu dem Smartphone- und dem Kamera-Adapter: Mit dem Smartphone-Adapter habe ich mir gar nicht erst die Mühe gemacht, Fotos zu machen. Mit dem Kamera-Adapter habe ich meine Canon R8 angebracht, dadurch wird das Teleskop ziemlich kopflastig und sackt ab. Ich würde euch davon abraten, eine teure Kamera an dem Plastik-OAZ anzubringen. Vielleicht versuche ich das in Zukunft nochmal in Ruhe, für die Astrofotografie ist das Teleskop aber nicht wirklich geeignet.

    Lasst mich in den Kommentaren wissen, wenn ihr euch für einen Kauf entschieden habt oder selbst Erfahrungen mit dem Teleskop gemacht habt!

    Viele Grüße und clear skies!

    P.S.: Das Bresser NT 114 ist scheinbar baugleich mit dem Explorer Scientific Firstlight 114. Dazu könnt ihr euch hier einen ausführlichen Test von John Read anschauen (auf Englisch).