Wenn man sich etwas mit Fotografie beschäftigt, merkt man schnell: Vieles dreht sich darum Licht zu sammeln. Astrofotografie findet also unter den denkbar schlechtesten Bedingungen statt. Im Idealfall ist es komplett dunkel und die Objekte, die wir fotografieren sind auch noch kaum zu erkennen.
Eine Warnung vorweg: Astrofotografie ist ein teures Hobby. Wenn man einmal damit angefangen hat, werdet ihr feststellen, dass man für Kameras, Montierung, Teleskope und Software schnell mal ein paar tausend Euro ausgeben kann. Aber auch mit dem einfachen Kameraequipment, das wir am Tage nutzen, kann man faszinierende Bilder vom Nachthimmel machen.
Ich werde an dieser Stelle auch nicht erklären, was die Blende, die Belichtungszeit oder die ISO-Zahl genau für Funktionen haben. Bevor ihr euch an die Astrofotografie heran wagt, solltet ihr sehr sicher mit der Bedienung eurer Kamera bei Tage sein.
Die Rotation der Erde
Beobachtet ihr länger den Nachthimmel, scheinen sich die Sterne zu bewegen. Tatsächlich stehen die Sterne still und unsere Erde dreht sich innerhalb eines Tages einmal um ihre Achse. Ein wunderbares Schauspiel – für die Fotografie jedoch etwas nervig. Denn Nachts arbeiten wir mit sehr langen Belichtungszeiten und wenn sich die Sterne bewegen, sind sie irgendwann keine Punkte mehr sondern Striche.
Es gibt Kamera-Montierungen, welche die Rotation der Erde ausgleichen, sogenannte Star-Tracker oder äquatoriale Montierungen. Soweit will ich an dieser Stelle aber noch nicht gehen. Eine einfachere Möglichkeit ist es, die Belichtungszeit so zu wählen, dass die Sterne noch punktförmig bleiben.
Dabei hilft uns die 500-Regel. Mit dieser können wir die maximale Belichtungszeit berechnen, bei der die Sterne (ungefähr) noch Punkte bleiben. Wenn du eine Vollformat-Kamera hast, dann rechnest du 500 geteilt durch die Brennweite deines Objektivs. Bei einer APS-C-Kamera rechnest du mit 300.
Ein Beispiel: Du hast ein 50 mm-Objektiv und eine APS-C-Kamera. Rechne 300 / 50 = 6. Die maximale Bleichtungszeit beträgt hier also 6 Sekunden. Hast du eine Vollformat-Kamera rechnest du 500 / 50 = 10. Du kannst also maximal 10 Sekunden belichten. Denke aber immer daran, dass dies nur Näherungswerte sind. Wenn du in deine Bilder reinzoomst, sind die Sterne vielleicht immer noch nicht kreisrund. Dann musst du die Belichtungszeit weiter reduzieren.
Aus dieser Rechnung wird auch ersichtlich, dass mit einer kürzeren Brennweite längere Belichtungszeiten möglich sind und wir so mehr Licht sammeln können. Ihr solltet daher eure ersten Schritte in der Astrofotografie mit Weitwinkel-Objektiven machen.
Blende und ISO-Zahl
Nachdem wir die Belichtungszeit eingestellt haben, fehlen noch die Blende und die ISO-Zahl. Wie am Anfang erwähnt, geht es bei der Astrofotografie um das Sammeln von Licht. Wählt daher die kleinste Blendenzahl die euer Objektiv hergibt.
Mit der ISO-Zahl wird es etwas komplizierter. Umso höher die ISO-Zahl ist, umso mehr wird das Signal des Sensors verstärkt und das Bild wird heller. Allerdings wird auch das Rauschen im Bild immer stärker. Mit Canon-Kameras habe ich gute Erfahrungen bei einem Wert zwischen 1600 und 3200 gemacht. Kameras anderer Hersteller reagieren vielleicht anders. Dazu solltet ihr einfach mal eine Internetsuche starten. Eine Warnung vorweg: die Suche Astrofotografie und ISO-Zahl bringt euch schnell zu Foren, in denen heftigst diskutiert wird. Lasst euch davon nicht abschrecken. Im Zweifel gillt probieren über studieren.
Fokussieren bei Nacht
Der Autofokus der Kamera wird in der Nacht unbrauchbar. Nutzt daher die Live-View eurer Kamera und fokussiert manuell. Sucht euch dazu einen hellen Stern und dreht am Fokusrad bis der Stern so klein wie möglich ist. An dieser Stelle sei auch mal erwähnt, dass ihr selbstverständlich ein Stativ nutzen solltet! Damit eure Bilder auch komplett verwackelungsfrei sind, solltet ihr entweder mit dem Selbstauslöser eurer Kamera arbeiten oder einen Fernauslöser nutzen. Viele neuere Kameras lassen sich auch per Smartphone steuern.

Zusammenfassung
- Nutzt den M-Modus der Kamera.
- Findet die Belichtungszeit mit der 500-Regel heraus.
- Nutzt die kleinste Blendenzahl.
- Stellt einen ISO-Wert von 1600 – 3200 ein.
- Fokussiert manuell.
- Ein Stativ ist Pflicht. Benutzt zusätzlich noch einen Selbst- oder Fernauslöser.
Jetzt müsst ihr nur noch auf eine klare Nacht warten. Ein Tipp noch zum Schluss: Seht zu, dass ihr euch von Lichtverschmutzung entfernt. Fahrt raus aufs Land oder sucht euch eine Ecke in der es besonders Dunkel ist. Diese Karte kann euch dabei helfen: www.lightpollutionmap.info
Viel Spaß bei euren ersten Schritten in der Astrofotografie und clear skies!
